Voice over oder overvoice?

Der Begriff voice over wird etwas unterschiedlich verwendet. In den USA wird mitunter auch das professionelle Sprechen an sich als voice over bezeichnet Im deutschen Markt ist ein voice over oder auch overvoice im strengeren Sinne das Übersprechen von O-Tönen anderer Sprachen durch einen deutschen Sprecher. Dies kann sowohl in Hörfunkbeiträgen, als auch in Fernsehdokumentationen notwendig sein., damit das Gesagte vom deutschen Publikum verstanden werden kann. Die Alternative dazu wäre das Einblenden von Untertiteln, was aber in in den Sehgewohnheiten – außer bei manchen Kultursendern oder im kleinen Programmkino- nicht sehr verankert ist. In anderen Länder wachsen die Kinder bereits mit englischen Untertiteln auf, in Deutschland ist das nicht üblich geworden, was nicht zuletzt auch zu einer umfangreichen Lippensynchronisation der Spielfilme geführt hat. Das voice-over in einer Fernsehdokumentation folgt bestimmten Regeln. Im Idealfall ist anfangs der Originalton des Interviewten noch zu hören. Nach einem Fade setzt der Sprecher oder die Sprecherin mit der deutschen Übersetzung ein. Darunter läuft der fremdsprachige Originalton leise weiter. Die Übersetzung fängt später an als das Original und hört früher auf, damit am Ende des Voice-overs nochmal kurz das Original zu hören ist. So kann sich der Hörer bzw. Zuschauer trotz des anderen Sprechers ein akustisches Bild von der Stimmung und Stimmlage des Protagonisten machen, sowohl im Fernsehen, als auch im Hörfunk oder Podcast. Das erfordert natürlich, dass die deutsche Übersetzung in der Anzahl der Silben kürzer ist als das Original. Da das Deutsche per se etwa 20 % mehr Silben braucht als das Englische, ist das manchmal nicht ohne Verzicht auf Teilaspekte des Gesagten möglich. Spricht aber der O-Ton-Geber bedächtig, mit vielen Schleifen und Wiederholungen, muss die Übersetzung die auch nicht alle mitgehen, wenn keine neuen Informationen transportiert werden. Floskeln wie „wie schon gesagt“ oder „in diesem Sinne“ können getrost unter den Tisch fallen. Mitunter wird voice-over auch in Imagefilmen benötigt, z.B. wenn leitende Mitarbeiter der Firma etwas über deren Produkte sagen und diese O-Töne nicht untertitelt werden sollen.

Die Sprechhaltung im voice-over

Hier gibt es unterschiedliche Ansichten und Geschmäcker, auch bei den Regisseuren. Meist wird eine etwas distanzierte Form gewünscht, bei der das Original auf keinen Fall überspielt werden darf. Ist der Protagonist beispielsweise den Tränen nahe, wird der voice-over-Sprecher die Übersetzung nicht fröhlich , andererseits aber auch nicht weinerlich sprechen. Hier ist eine gewisse Distanzierung wirkungsvoller, schließlich ist das Original ja die ganze Zeit über hörbar und muss nicht gedoppelt werden. Wenn aber der O-Ton-Geber nicht zu den den unterhaltenden Zeitgenossen gehört, sondern beinahe gelangweilt wirkt, wird der Sprecher etwas mehr hineinlegen, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Auch in eher reisserischen Dokumentationen mancher Privatsender wird ein voice-over stärker gespielt, um zusätzliche Spannung aufzubauen, was unter Umständen einen Verzicht auf ein Stück Authentiziät mit sich bringt. In aller Regel bringt ein professioneller Sprecher die Fähigkeit mit, die Machart und Zielgruppe in einem zu vertonenden Voice-over auch an Hand seines Inhalts einzuschätzen. Im Zweifelsfall werden die Details mit dem Autor und /oder Regisseur abgestimmt und mehrere Varianten angeboten.

Voice-over Demos von Christian Büsen finden Sie unter Demos.