Was hat ein ausgebildeter Sprecher gelernt


Sprechen lässt sich nur durch viel Praxis und eine solide Ausbildung professionalisieren

Was ein ausgebildeter Sprecher an Know How mitbringt, um Ihre Sprachproduktion zum Erfolg werden zu lassen, soll im Folgenden skizziert werden, Dazu werden mögliche Wege aufgezeigt, wie ein Sprecher das notwendige Wissen erwerben kann und was das alltägliche Sprechen vom professionellen Sprechen unterscheidet.  Ein ausgebildeter Sprecher hat viele Jahre Erfahrung im Sprechen von Medientexten am Mikrofon. Einer Situation, die zunächst einmal künstlich ist, da es statt eines Dialogpartners nur ein Mikrofon in einem akustisch sehr trocken klingenden Raum gibt. Außerdem, und das ist die zweite große Schwierigkeit, werden die Texte im Mediensprechen in fast allen Fällen abgelesen, sollen aber auf keinen Fall abgelesen klingen. Manchmal sind die Inhalte aber komplex, in einem E-learning zum Beispiel, oder , wenn der Sprecher Audioguide vertonen soll. Hier sind die Texte nicht immer nach den Kriterien des Schreibens für das Hören verfasst.  Dennoch soll das Ganze so klingen, als würde es einem Hörer erzählt. Und nicht zuletzt muss der Sprecher absolut sattelfest sein in der Aussprache deutscher Wörter und Fremdwörter. König oder Könich? Königreich oder Könichreich? Das sind Basisfragen, die ein ausgebildeter Sprecher im Schlaf beherrscht,  aber auch "Accessoire" oder "konkret" hört man sehr häufig falsch ausgesprochen.

Der ausgebildete Sprecher sollte also eine angewandte Phonetik durchlaufen haben, wie sie zum Beispiel im Rahmen eines fundierten Sprecherziehungsstudiums grundständig vermittelt wird. Ein nächster Unsicherheitsfaktor, der Ungeübten am Mikrofon Probleme bereitet, ist die Frage nach Strukturierung und der Betonung der sinntragenden Worte im Text. Woran wir  in der Spontansprache keinen Gedanken verschwenden, das führt beim Lesen zu großer Verunsicherung. In der Sprecherausbildung nimmt das Thema Leselehre einen breiten Raum ein.  Und nicht zuletzt hat der ausgebildete Sprecher teilweise mehr als 4 Jahre intensives Atem-und Stimmtraining hinter sich, um die körperlichen Einstellungen nachhaltig zu professionalisieren. Und vor allem übt der Sprecher, eine emotionale Einstellung zum Gesagten, auch Haltung genannt, zu entwickeln, beim Lippensynchron-Sprechen, aber selbst in Sachtexten (zum Beispiel die Haltung des freundlichen Vermittelns). Diese Haltungen sollten, einschließlich des Tempos, inhaltlich begründet wechseln, sonst stellt sich Monotonie ein. Auch die Pausensetzung will bedacht sein. Der Hörerkontakt ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Der Sprecher sitzt mit seinem Mikrofon allein im Raum, soll aber den Hörer ganz gezielt und persönlich ansprechen.

Daran wird deutlich, dass es große Unterschiede gibt zwischen unserem alltäglichen Sprechen und dem Koffer an Fähigkeiten, den ein ausgebildeter Sprecher mitbringen muss, damit auch der Laie nachher sagt: Der Sprecher war irgendwie gut. Auch wenn er es nicht genau benennen kann, wird er unbewusst sofort wahrnehmen, wenn auch nur einer der genannten Aspekte vom Sprecher nicht zufriedenstellend eingelöst werden konnte. "Sprechen kann doch jeder" ist zwar im Grunde fast richtig. Aber wenn es ans professionelle Sprechen geht und das Ergebnis überzeugen soll, bringt ein ausgebildeter Sprecher alles mit, was dazu nötig ist.