Die Rahmenbedingungen bei der Sprecher-Auswahl

Bei der Sprecher-Auswahl ist ein Medienprojekt meist schon weit vorangeschritten und der Abgabetermin sitzt im Nacken. Der Sprecher ist meist der letzte Part im gesamten Produktionsprozess und daher entsteht auf den letzten Metern oft Zeitdruck. Und manchmal führt der Zeitdruck zu vorschnellen Entscheidungen bei der Auswahl des Sprechers, oder das Budget spielt die entscheidende Rolle. Es wäre jedoch fatal, einen gut produzierten Film mit einem nicht dazu passenden Sprecher in seiner Wirkung zu schmälern, oder am falschen Ende Geld einsparen zu wollen. Bedenken Sie, dass der Sprecher normalerweise den kleinsten Teil des Gesamtbudgets ausmacht, aber einen großen Unterschied ausmachen kann. Eine Stimme, die wirklich gut passt, kann dem Unternehmen einen vielfachen Umsatz der Mehrkosten bringen, so dass sich Preisunterschiede von EUR 100 sehr schnell auflösen.

Tipps für die Auswahl des passenden Sprechers

 

Entscheiden Sie bei der Auswahl des Sprechers in Ruhe. Beginnen Sie rechtzeitig, über Ihre Wünsche zu einem passenden Sprecher nachzudenken und nicht erst auf den letzten Drücker. Hören Sie sich erst die Hörproben in Ruhe an und fragen Sie dann nach dem Preis, wenn Sie genau wissen, wie es sich idealerweise anhören sollte. Nicht jeder Sprecher kann alles gleich gut vertonen. Die Stimme eines Hollywoodstars mag einen hohen Bekanntheitsgrad haben, passt aber womöglich zu dieser Kampagne überhaupt nicht, die eher leicht und nach Unterstatement klingen soll. Jedes Projekt ist anders, und jeder Sprecher ist es auch. Im Internet gibt es auch Plattformen, auf denen sich semiprofessionelle Sprecher anbieten. Die Berufsbezeichnung ist ja in keiner Weise geschützt, Sprecher kann sich zunächst mal jeder nennen. Hören Sie deshalb bei den Hörproben zweimal hin. Ist der Sprecher wirklich dialektfrei? Nimmt er Kontakt zum Hörer auf, fühlen Sie sich angesprochen? Oder ist doch hörbar, dass der Sprecher den Text abliest? Suchen Sie sich eine Hörprobe, die ziemlich genau zu Ihrem Vorhaben passt. Hören Sie dem Sprecher länger zu, vielleicht am nächsten Tag, bevor Sie die endgültige Sprecher-Auswahl festlegen. Hören sie immer noch gerne zu? Oder wird es nach 5 Minuten langweilig, gehen dem Sprecher die Gestaltungsmittel aus? Gibt es irgendeine Eigenheit, die Ihnen jetzt , bei längerem Hören erst auffällt, und die vielleicht störend wirken könnte? Werfen Sie auch einen Blick auf die Vita des Sprechers, den Sie in der Auswahl haben. Der Beruf des Sprechers braucht eine Ausbildung durch Sprecherzieher, ein Schauspiel- oder Sprecherstudium. Ganz ohne Coaching am Mikrofon wird ein Sprecher kaum dialektfrei, im Rahmen der deutschen Hochlautung so sprechen, dass alles sitzt, die Artikulation aber auch nicht übertrieben klingt. Das Mikrofon ist hierbei etwas Anderes als die Bühne, daher ist Mikrofonerfahrung unerlässlich. Letzten Endes zählt aber das Ergebnis, nicht unbedingt der Weg, den der Sprecher gegangen ist. Aber das Ergebnis professionell zu beurteilen, ist wiederum nur Sprecherziehern mit Medienerfahrung oder erfahrenen Regisseuren möglich, der Laie muss aus dem Bauch heraus entscheiden. Und so passiert es manchmal , dass ein Mobilfunkkonzern eine Profisprecherin einsetzt, die von einem SINGnalton statt einem Signalton spricht. Oder eine Durchsage am Bahnhof Weimar: „Bitte rauchen Sie nur in den GEKENNZEICHNETEN Raucherbereichen“. Und was mache ich in den UNgekennzeichten Raucherbereichen ? Es sind oft Kleinigkeiten, die das Professionelle ausmachen, und dazu führen, dass auch ein Laie den Sprecher „irgendwie gut“ findet- oder eben nicht, ohne es immer an etwas Konkretem festmachen zu können. Kein Sprecher ist perfekt, und jeder kann sich irren. Aber eine fundierte Ausbildung hilft, Sprechleistungen auf einer soliden Basis anbieten zu können. Und wenn Sie nach dem Sprecherdemo immer noch unsicher sind, ob der Sprecher zu Ihrem Projekt passt: Fragen Sie mal nach einem sogenannten Punktcasting. Einige Sprecher bieten an, einen kleinen Ausschnit des vom Kunden zu vertonenden Textes unverbindlich einzusprechen, um die Auswahl des Sprechers zu erleichtern.